Die Honorarkürzungen in der psychotherapeutischen Versorgung sind gerade erst in Kraft getreten, da sieht das GKV-Finanzstabilitätsgesetz weitere Einschnitte vor:

Und das in einer Zeit, in der Menschen in psychischen Krisen bereits jetzt monatelang auf einen Therapieplatz warten. Menschen mit besonderem Hilfebedarf – etwa Mütter mit peripartalen Depressionen, Menschen mit Sprachbarrieren oder schwer und chronisch psychisch Erkrankte – finden noch schwerer Zugang zu passender Unterstützung. Viele fallen immer noch durch die Machen des Versorgungsnetzes. Wie bereits in meinem Newsletterbeitrag vom 14. April 2026 erläutert, lösen pauschale Einsparungen keine strukturellen Probleme. Im Gegenteil: Sie drohen bestehende Versorgungslücken weiter zu verschärfen. Deshalb fordern wir Grüne seit langem strukturelle Reformen, um die psychotherapeutische Versorgung nachhaltig zu stärken und einer weiteren Reduktion von Versorgungsangeboten entgegenzuwirken. Vor einem Monat haben wir Grünen den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ in den Bundestag eingebracht.

zum Eilantrag: https://dserver.bundestag.de/btd/21/049/2104954.pdf

zum Newsletterbeitrag: https://kappert-gonther.de/neuigkeiten/gesundheitsversorgung-ist-demokratierelevant/

Am 20. Mai 2026, fand dazu nun die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss statt. In der Anhörung wurden zahlreiche Sachverständige gehört – darunter psychotherapeutische Fachverbände, die Aktion Psychisch Kranke (APK), die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), ein Vertreter des GKV-Spitzenverbandes und des vdek, sowie der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken.

Dabei wurde deutlich: Die Problembeschreibung unseres Antrags wird anerkannt. Unter den Sachverständigen machten insbesondere Prof. Hecken, die BPtK und die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) den Reformbedarf in der psychotherapeutischen Versorgung deutlich. Sie unterstützten zentrale Forderungen unseres Antrags, wie eine Reform der Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche, sowie eine bessere Versorgung im ländlichen und strukturschwachen Raum. Für Kinder und Jugendliche sind die aktuellen Wartezeiten von bis zu sieben Monaten auf einen Therapieplatz nicht hinnehmbar! Kinder und Jugendliche können auch keine langen Strecken zu einer Praxis überwinden. Sie brauchen ein Versorgungsangebot vor Ort, das auch mit ihrer Kita, Schule oder kommunalen Unterstützungsangeboten vernetzt werden kann. Dr. Andrea Benecke von der BPtK machte deutlich, wie wichtig eine frühzeitige und bedarfsgerechte psychotherapeutische Versorgung ist, um Chronifizierungen und die Zunahme schwerer psychischer Erkrankungen zu verhindern.

Dass die Probleme in der psychotherapeutischen Versorgung angegangen werden müssen, wurde auch fraktionsübergreifend, inklusive der Koalitionsfraktionen, geteilt. Auch aus den Reihen der SPD wurde betont, dass Unterversorgung langfristig erhebliche Folgekosten verursacht – etwa durch steigende Krankheits- und Fehlzeiten.

Die Forderung in unserem Antrag, die Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung abzusichern, fand ebenfalls große Unterstützung unter den Expert*innen. Die Sachverständigen teilten ihre Sorgen zu der Patientenversorgung von morgen. Denn nur mit ausreichend Fachkräften ist diese abgesichert. Einen weiteren Fachkräftemangel im Gesundheitswesen können wir uns nicht leisten!

Besonders wichtig ist uns außerdem die bessere Versorgung von Menschen mit besonderem Hilfebedarf. Deshalb fordern wir einen leichteren Zugang sowie eine bessere Steuerung der Versorgung für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen, peripartalem psychischem Hilfebedarf oder Sprachbarrieren. Auch hierzu zeigte sich in der Anhörung breite Unterstützung. Nicht zuletzt machte Prof. Peter Brieger von der Aktion Psychisch Kranke deutlich, wie zersplittert die Versorgung heute vielerorts ist und wie dringend eine bessere Vernetzung psychotherapeutischer Angebote mit gemeindepsychiatrischen Strukturen gebraucht wird. Auch Prof. Hecken unterstrich die Notwendigkeit, Menschen mit besonderem Hilfebedarf in der Versorgung stärker strukturell zu priorisieren.

In der Anhörung wurden auch die Folgen der aktuellen Sparmaßnahmen erneut deutlich gemacht – ebenso wie bereits im Fachgespräch im Gesundheitsausschuss zu den Honorarkürzungen am 22. April 2026.Es ist klar: es geht nicht nur um die aktuelle Versorgung, es geht auch um die kluge Weichenstellung für die Versorgung psychisch Kranker der Zukunft. Die Bundesregierung steht in der Pflicht, endlich zu handeln. Es braucht strukturelle Reformen, die die Versorgung stärken– mit einer Reform der Bedarfsplanung für eine bessere Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie Menschen auf dem Land, einem besseren Zugang für schwer und chronisch erkrankte Menschen und einer abgesicherten Finanzierung der Weiterbildung.

Die Bundesregierung ignoriert bislang die deutlichen Warnsignale aus Verbänden, Fachgesellschaften und Versorgungspraxis – das zeigt sich auch in der Antwort auf eine schriftliche Frage von mir (BT-Drucksache 21/5932, Frage Nr. 10).

Damit sendet sie Psychotherapeut*innen ebenso wie Menschen mit Hilfebedarf das Signal, dass seelische Gesundheit endlich   priorisiert werden muss!

In meiner Zuständigkeit als Berichterstatterin für seelische Gesundheit in der Grünen Bundestagsfraktion werde ich mich weiterhin für gut vernetzte, passgenaue psychosoziale, psychiatrische und psychotherapeutische Angebote einsetzen und für ein System, in dem verschiedene Berufsgruppen eng zusammenarbeiten und das für Betroffene leicht erreichbar ist.

Die Anhörung könnt ihr hier nachschauen: