Immer mehr Menschen benötigen psychiatrische Unterstützung. Der Aufnahmedruck in den psychiatrischen Kliniken steigt, vielerorts reichen die Kapazitäten kaum noch aus. Gleichzeitig sind auch die ambulanten Hilfen überlastet. Vor- und nachstationäre Behandlung kann deshalb häufig nicht so umgesetzt werden, wie es für eine kontinuierliche und passgenaue Behandlung notwendig wäre.
Diese Entwicklung zeigt: Wir müssen die psychiatrische Versorgung stärker ambulant, vernetzt und niedrigschwellig organisieren. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollten die Hilfe bekommen, die sie benötigen – unabhängig davon, ob im Krankenhaus, in einer Tagesklinik oder ambulant. Entscheidend ist, dass die Versorgung dabei nicht an Sektorengrenzen abbricht.
Dafür müssen wir das Rad nicht neu erfinden. Es gibt bereits erprobte Versorgungsmodelle, deren Nutzen für die Behandlungsqualität und Kosteneffizienz belegt ist – und auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden verbessert. Besonders bewährt hat sich, psychiatrische Behandlung flexibel aus dem Krankenhaus heraus anzubieten und sie an den individuellen Bedarf der Patientinnen und Patienten anzupassen.
Stationsäquivalente psychiatrische Behandlung, Psychiatrische Institutsambulanzen und Modellvorhaben nach § 64b SGB V zeigen bereits heute, wie eine sektorenübergreifende Versorgung ohne Versorgungsbrüche funktionieren kann. Stationäre, teilstationäre und ambulante Behandlung werden besser miteinander verbunden. Diese Angebote müssen deshalb ausgebaut und flächendeckend verfügbar gemacht werden.
Die Bundesregierung kennt diese Modelle und ihre Vorteile. Sie kennt auch den wachsenden Bedarf an einer besser vernetzten psychiatrischen Versorgung. Trotzdem wird das vorhandene Potenzial zur Ambulantisierung bislang nicht konsequent genutzt. Im Gegenteil: Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz schafft durch eine unzureichende Refinanzierung dringend benötigter Personalstellen zusätzliche Hürden für innovative Versorgungsmodelle.
Damit wird nicht nur die Chance auf eine bessere und passgenauere Versorgung vertan. Es werden auch vermeidbare stationäre Behandlungen und damit unnötige Kosten in Kauf genommen. Die Bundesregierung muss endlich aus den längst bekannten Lösungen konkretes Handeln ableiten.
Wir Grüne im Bundestag bringen deshalb den Antrag „Ambulantisierungspotenzial heben – psychiatrische Versorgung flexibel und patientenorientiert gestalte“ in den Deutschen Bundestag ein und fordern die Bundesregierung auf, endlich zu handeln.
Spiegel-Online hat über unseren Antrag berichtet. Der Artikel kann hier nachgelesen werden:

