Instagram, TikTok & Co. gehören für viele Menschen zum Alltag. Sie verbinden, informieren und schaffen Räume für Austausch und Teilhabe. Gleichzeitig sehen wir: Der Profit der Plattformbetreiber basiert auf suchtfördernden Designs und exzessiver Nutzung. Diese Designs, belastende Inhalte und algorithmisch verstärkte Körper- und Leistungsnormen wirken sich negativ auf die psychische und körperliche Gesundheit aus – gerade von jungen Menschen.
Das darf so nicht weitergehen. Wir brauchen klare Regeln, damit Kinder und Jugendliche in einer digitalen Welt gesund und entwicklungsgerecht Aufwachsen können. Deshalb haben wir als grüne Bundestagsfraktion einen Fraktionsbeschluss gefasst:
Hier fasse ich die wichtigsten Punkte zusammen – und ordne ein, warum sie aus gesundheitspolitischer Sicht so wichtig sind.
1. Mindestalter ab 14 Jahren
Wir wollen ein gesetzliches Mindestalter von 14 Jahren für Soziale Medien.
Warum? Kinder unter 14 Jahren sind besonders verletzlich. Plattformen sind so gestaltet, dass sie möglichst lange Aufmerksamkeit binden – durch Endlos-Scrollen, Likes und algorithmische Verstärkung. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Geschäftsmodells der Konzerne.
Gerade für junge Menschen kann das aber gravierende Folgen haben: Schlafmangel, Angst, gestörte Körperbilder und Essstörungen oder sogar suchtähnliche Nutzungsmuster sind keine Seltenheit. Studien, wie die Studie der OECD „How’s Life for Children in the Digital Age?“ von Mai 2025, zeigen bereits heute, dass ein erheblicher Teil der Jugendlichen Soziale Medien problematisch nutzt. Demnach kommen 15-Jährige in Deutschland durchschnittlich auf 48 Stunden wöchentlich – womit Jugendliche in Deutschland bei der Nutzung von Sozialen Medien international einen Spitzenwert belegen.
(zur OECD Studie: https://www.oecd.org/en/publications/how-s-life-for-children-in-the-digital-age_0854b900-en.html )
Kinder brauchen Räume, in denen sie sich entwickeln können, geschützt und ohne permanenten digitalen Druck.
Je mehr Aufenthalt im digitalen Raum desto weniger Erlebnisse in der analogen Welt. Je jünger, umso entscheidender für die Persönlichkeits-, psychische und physische Entwicklung sind sinnliche und haptische Erfahrungen im dreidimensionalen Raum, Klettern, Rennen, echter leiblicher Kontakt mit Gleichaltrigen.
Ein Mindestalter ist kein Allheilmittel, aber ein notwendiger Schritt, um eine klare Grenze zu ziehen und genau diesen Schutz zu gewährleisten sowie auch Eltern mit einem gesetzlichen Argument zu entlasten.
2. Altersverifizierung – aber datensparsam, sicher und verhältnismäßig
Ein Mindestalter bringt nur dann etwas, wenn es auch durchgesetzt wird. Deshalb brauchen wir eine verlässliche Altersverifikation. Dabei ist uns wichtig: Wir wollen keine Überwachung und keine massenhafte Speicherung sensibler Daten. Stattdessen brauchen wir Lösungen, die rechtssicher, datensparsam, sicher, diskriminierungsfrei und grundrechtskonform sind.
Auch für Teenager über 14 Jahren ist die Social-Media-Nutzung nicht risikofrei. Mit dem Alter und Entwicklungsstand verändern sich auch die Chancen und Risiken, die mit der Nutzung verbunden sind. Deshalb schlagen wir ein altersabgestuftes Verfahren vor, so dass ab 16 Jahren einzelne altersgerechte Funktionen und Inhalte freigeschaltet werden können. Ab 18 Jahren sollen dann alle weiteren Funktionen freigeschaltet werden können.
Grundsätzlich sollen aber für alle sichere Standardeinstellungen gelten, d.h. etwa Autoplay oder Belohnungssysteme sollen standardmäßig deaktiviert sein.
3. Medienkompetenz immer mitdenken
Regeln allein reichen nicht. Der Umgang mit Medien muss gelernt sein, auch um Bewusstsein über Risiken zu schaffen und Schutzmechanismen zu etablieren. Deshalb ist der dritte zentrale Punkt: Medienkompetenz.
Kinder und Jugendliche müssen lernen, wie soziale Medien funktionieren und wie sie sich darin selbstbestimmt bewegen können. Wir fordern daher eine Nationale Strategie für Medienkompetenz. Sie muss in Schulen, Kitas, Jugendarbeit, aber auch bei Fachkräften und den Eltern ansetzen.
Gleichzeitig gilt: Medienkompetenz ersetzt keinen Schutz. Die Verantwortung darf nicht allein auf junge Menschen abgewälzt werden, während Plattformen gezielt mit psychologischen Mechanismen arbeiten. Daher sollte die Umsetzung der Strategie über eine Digitalabgabe auf Onlinewerbeumsätze großer Tech-Konzerne finanziert werden.
Warum das eine Frage der mentalen Gesundheit ist
Die Risiken für die Gesundheit wiegen besonders schwer bei Kindern und Jugendlichen, da sich Gehirn, Psyche, Identität, Selbstwertgefühl und soziale Kompetenzen noch entwickeln. Gleichzeitig reagiert das Belohnungssystem des jugendlichen Gehirns besonders sensibel auf soziale Bestätigung und kurzfristige Belohnungsreize. Treffen diese neurobiologischen Entwicklungsbedingungen auf Plattformdesigns, die gezielt auf schnelle Belohnung, soziale Bestätigung und algorithmische Verstärkung emotionaler Inhalte ausgerichtet sind, entsteht ein strukturelles Risiko für problematische Nutzungsmuster.
Verbringen Kinder zu viel Zeit im digitalen Raum, können Erfahrungen im analogen Raum fehlen, die für eine gesunde Entwicklung essenziell sind. Denn die Entwicklung der Persönlichkeit gleicht einer Reise mit klar umrissenen Etappen. Verpasst man eine davon, lässt sie sich später nur schwer nachholen. Wenn Kinder einen Großteil ihrer Zeit in digitalen Welten verbringen, drohen ihnen wichtige Erfahrungen im echten Leben zu entgehen, vor allem greifbare, sinnliche Eindrücke, die wie Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung wirken.
Auch kognitive und motorische Fähigkeiten – etwa Lesen und Schreiben – können darunter leiden. Deshalb braucht es auch mehr öffentliche Räume für Kinder und Jugendliche, denn ihre Freizeitgestaltung hängt von vorhandenen Möglichkeiten ab. Wir fordern stärkere Investitionen in Freizeit-, Sport- und Kulturangebote sowie in die offene Kinder- und Jugendarbeit.
Digitale Teilhabe ist wichtig, sollte aber nicht auf Kosten der psychischen Gesundheit gehen.
Lasst uns darüber sprechen beim Grünen Salon am 12. Mai
Die Frage nach einer Regulierung digitaler Plattformen für Kinder und Jugendliche betrifft uns alle. Andere Länder, wie Australien haben seit Dezember 2025 ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Auch in Deutschland und auf EU-Ebene wird intensiv über stärkere Regulation, verbesserten Schutz und ein Mindestalter diskutiert Ich möchte mit euch in den Austausch dazu treten und freue mich über eure Teilnahme am nächsten Grünen Salon.
🗓️ Datum: 12. Mai 2026
🕖 Uhrzeit: 19 bis 21 Uhr
📍 Ort: NOON, Foyer Kleines Haus, Theater am Goetheplatz, Bremen

