Die Honorare für psychotherapeutische Leistungen zu kürzen, ist eine Fehlentscheidung – und das in einer Zeit, in der psychische Krisen zunehmen und immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind. Es ist falsch bei der Berufsgruppe zu sparen, die ohnehin am untersten Rand der ärztlichen Vergütung steht. Vor allem aber ist das ein fatales Signal an die Patient*innen und missachtet die Bedeutung von seelischer Gesundheit. Deshalb bringen wir Bündnis 90/Die Grünen einen Eilantrag in den Bundestag ein.
Psychotherapeut*innen leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur gesundheitlichen Versorgung und zur Stabilität unserer Gesellschaft. Ihre Arbeit ermöglicht Teilhabe, verhindert die Chronifizierung von Erkrankungen und hilft dabei, individuelles Leid zu lindern sowie gesellschaftliche Krisen besser zu bewältigen. Gleichzeitig sehen wir seit Jahren einen deutlichen Anstieg psychischer Belastungen, verschärft durch sich überlagernde Krisen. Besonders betroffen sind dabei Kinder und Jugendliche. Der Bedarf an Unterstützung und Behandlung wächst kontinuierlich.
Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, dass der Erweiterte Bewertungsausschuss am 11. März 2026 beschlossen hat, die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 Prozent zu senken. Diese pauschale Honorarkürzung sendet ein verheerendes Signal – insbesondere auch an Patient*innen, die dringend auf Hilfe angewiesen sind.
Honorarvereinbarungen sind grundsätzlich Aufgabe der Selbstverwaltung, und es ist richtig, dass diese nicht politisch festgelegt werden. Es ist aber Aufgabe der Politik, Fehlentwicklungen in der Versorgung gegenzusteuern.
Was wir jetzt brauchen, sind keine Kürzungen, sondern nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen. Pauschale Einschnitte lösen weder Fehlsteuerungen noch die finanzielle Schieflage im Gesundheitssystem. Deshalb haben wir Grünen den Eilantrag „Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken“ im Bundestag eingebracht.
Unser Ziel ist klar: zeitnahe, niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten für alle, die sie brauchen. Dafür ist auch eine neue, bedarfsgerechte Planung der psychotherapeutischen Versorgung längst überfällig. Wir fordern, dass die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in einer eigenen Bedarfsplanung festgelegt wird. Denn Kinder und Jugendliche können keine langen Strecken zu einer Praxis überwinden. Sie brauchen ein Versorgungsangebot vor Ort, das auch mit ihrer Kita, Schule oder kommunalen Unterstützungsangeboten vernetzt werden kann. Und wir wollen, dass die Versorgung in Stadt und Land angeglichen wird, um gleich gesundheitliche Lebensverhältnisse zu schaffen. Obwohl Menschen auf dem Land nicht seltener psychisch erkrankten als Menschen in der Stadt, sind in ländlichen Regionen oder in strukturell schwachen Gebieten wie dem Ruhrgebiet nur halb so viele psychotherapeutische Versorgungsangebote vorgesehen wie größeren Städten. Diese Schieflage muss endlich begradigt werden. Und: für Menschen mit schweren und chronischen psychischen Erkrankungen müssen wir gezielt mehr Versorgungsangebote schaffen, damit sie besseren Zugang in die ambulante Versorgung haben.
Klar ist auch: Nur mit ausreichend Fachkräften ist die psychische Versorgung von morgen gesichert. Einen Fachkräftemangel in einer weiteren Berufsgruppe im Gesundheitswesen können wir uns nicht leisten. Deshalb setzen wir uns konsequent für eine sichere Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung ein, damit genügend Psychotherapeut*innen die für die Versorgung notwendige Fachkunde erhalten. Auch das fordern wir in unserem Antrag.
In meiner Zuständigkeit als Berichterstatterin für seelische Gesundheit in der Grünen Bundestagsfraktion setze ich mich beständig dafür ein, dass die Prävention und gesundheitliche Versorgung im Bereich psychischer Gesundheit gestärkt wird. Eine gute psychische Versorgung braucht ein Hilfesystem aus gut vernetzen, passgenauen psychosozialen, psychiatrischen und psychotherapeutischen Angeboten, in dem verschiedene Berufsgruppen gut zusammenarbeiten und das für Betroffene leicht erreichbar ist, insbesondere auch in psychischen Krisen oder akuten Belastungssituationen.
Weniger Stigma und mehr Hilfen – darum geht es.
Den Antrag könnt ihr hier nachlesen.
Vertiefende Informationen zu den Handlungsbedarfen und zu den konkreten Maßnahmen findet ihr in unserem Informationspapier:
Informationspapier zum grünen Antrag Psychotherapeutische Versorgung strukturell stärken

